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Der Yukon: Das kältestes Ultra-Race der Welt

Der MYAU ist ein arktischer Ultralauf, der die Teilnehmer in einer der kältesten und ab-gelegensten Umgebungen der Welt an ihre körperlichen und mentalen Grenzen bringt.

Im kanadischen Yukon-Territorium erreichen die Temperaturen im Winter regelmäßig -40 Grad Celsius. Die niedrigste Temperatur, die jemals bei diesem Rennen gemessen wurde, betrug -57 Grad. Das macht den MYAU zu einer ernsten Angelegenheit, so dass er nur für sehr erfahrene Athleten in Frage kommt. Aber auch mit jahrelanger Erfahrung sind die abgelegenen Trails ein lebensgefährliches Abenteuer.

Mit Blick auf die Veranstaltung im Jahr 2023 haben wir uns mit Robert Pollhammer, dem Gründer des MYAU, unterhalten. Wir haben ihn gefragt, was die Herausforderungen bei dieser Strecke sind, um in einer solch extremen Region das Ziel zu erreichen… 

Wo alles begann

Die Idee des MYAU begann, nachdem Robert  an einem Ultralauf in Alaska teilgenommen hatte. Als er erfuhr, dass dieser Lauf nicht mehr stattfinden würde, überlegte er, wie er der Welt ein ähnlich herausforderndes Erlebnis bieten könnte.

Als ehemaliger Schüler der High School in Prince Edward Island hatte Robert trotz deutschsprachiger Wurzeln eine starke Affinität zu Kanada. Der Yukon ist das westlichste Territorium des Landes. Es ist eine wilde, abgelegene Region, die nur dünn besiedelt ist. Die Einwohnerzahl von  nur 42.900 wird von der Anzahl der etwa 70.000 Elchen um fast das Doppelte übertroffen. Für uns Europäer ein überaschender Fakt.

Über seine zahlreichen lokalen Kontakte in der Gegend wusste Robert vom Yukon Quest Hundeschlittenrennen, dem berühmtesten Hundeschlitten-Rennen der Welt, das auf über 1000-Meilen jedes Jahr im Februar durch diese abgelegene Region führt. Welcher Strecke als diese könnte besser geeignet sein? Aus dieser Idee heraus entwickelte und startete Robert 2003 den ersten MYAU. Der Anfang war gemacht, um auszuprobieren, ob menschliche Kraft dafür ausreicht, auf den Spuren der berühmten Hundeschlitten unterwegs zu sein...

"Das Yukon Quest gilt aufgrund der Umweltbedingungen als das härteste Hundeschlittenrennen. Traditionell sind die Temperaturen hier kälter als in Alaska, das macht es zum perfekten Ort, um Menschen wirklich herauszufordern." Robert Pollhammer, Gründer des MYAU

Yukon: Damals und heute

In den Anfängen gab es weniger als 2 Teilnehmer für: die 100-Meilen- und 300-Meilen-Herausforderungen. Jede dieser Strecken musste innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens absolviert werden. Da der Yukon so abgelegen ist, gab es auch kaum Internet.

Mit der Verfügbarkeit des Internets haben zusätzliche Technologien dazu beigetragen, die Bedingungen für das Rennen zu verbessern. Dies gilt insbesondere für die Einführung von Live-Trackern. Der MYAU war einer der ersten Läufe, bei dem diese raffinierten Geräte zum Einsatz kamen. Damit wurde der Weg zu einer neuen Ära der Berichterstattung über Ultraläufe geebnet. Jeder, der mit dem legendären britischen Spine Race vertraut ist, weiß, wie süchtig das Tracken von Standorten machen kann! Die Tracker machten das Rennen nicht nur interaktiver, sondern verbesserten auch die Sicherheit der Läufer auf der Strecke.

Da das Rennen immer beliebter wurde und zu Recht den Ruf als "einer der härtesten Ultraläufe der Welt" genießt, wurden weitere Streckenoptionen hinzugefügt. Dazu gehören ein kürzerer Marathon und eine noch längere 430-Meilen-Strecke, die alle zwei Jahre stattfindet.

Die Höhepunkte des Yukon-Rennens

Die Teilnehmer haben die Wahl zwischen 3 Disziplinen: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Skiern. Jede Strecke führt in dieselbe Richtung und ist mit Holzstöcken markiert. Neben den brutalen Elementen des Yukon macht auch der Non-Stop-Charakter des Rennens dieses zu einer besonderen Herausforderung.

An den Kontrollpunkten entlang der Strecke können die Teilnehmer auftanken und sich von den Elementen erholen. Manche der Kontollpunkte bestehen nur aus der MYAU-Crew und ihren Zelten mitten im Nirgendwo. Die Teilnehmer treffen aber auch auf Gemeindezentren und sogar ein Highway-Restaurant, das die größten Zimtschnecken der Welt verkauft (Braeburn liegt an der 100-Meilen-Marke und stellt immer einen Höhepunkt dar!). Für Läufer auf der 300- oder 430-Meilen-Strecke gibt es einen besonderen Kontrollpunkt, der besonders hervorsticht: Die Pelly-Farm, die von der Familie Bradley betrieben wird. Im Wohnzimmer der Bradleys erhalten die Athleten das komplette Betreuungspaket, einschließlich der berühmten Pelly-Lasagne.

Zwischen diesen Stützpunkten bietet der Yukon abgelegene Seen, Flüsse und hügelige Landschaften, die einen beim Durchqueren demütig werden lassen. Im Winter ist die gesamte Region in der Regel mit Schnee bedeckt. In diesem Jahr hat es im Yukon sogar so viel geschneit wie noch nie. Es war der schneereichste Dezember seit 1980. Dies stellt die Läufer im Jahr 2023 vor zusätzliche Herausforderungen. Sie werden wachsam und vorsichtig sein müssen, weil sie durch fließendes Wasser auf dem Eis, das oft mit Schnee bedeckt ist, nass werden könnten. Das möchte man bei so niedrigen Temperaturen nicht erleben.

Der Weg führt außer an dem berühmten Yukon-Fluss, der, wenn er vereist ist, einen atemberaubenden Anblick bietet, an Chain Lakes, einem besonders schönen Ort, vorbei. Wenn jedoch der Wind bläst, kann dieser Abschnitt zu einer Herausforderung werden, da der Weg kaum noch sichtbar ist. Eine weitere Teilstrecke, die von den Teilnehmern als mental schwierig empfunden wird, ist eine scheinbar nicht enden wollende, von Bäumen gesäumte Strecke, die als "der Baumtunnel" bekannt ist und sich auf den ersten 100 Meilen befindet.

 "Es gibt große Gebiete, in denen es Waldbrände gegeben hat, was im Yukon häufig vorkommt. Es kann Jahrzehnte dauern, bis sie wieder nachgewachsen sind. Sich alleine durch diese Gebiete zu bewegen, kann sich ziemlich gespenstisch anfühlen, ein bisschen wie ein Spaziergang auf dem Mond."

 

Unverzichtbare Vorbereitung auf den Yukon

Für dieses Rennen trainieren die Athleten weit über ein Jahr. Es erfordert nicht nur Erfahrung in Expeditionen, sondern auch unglaubliche mentale Stärke. Erfrierungen und Unterkühlungen sind eine echte Gefahr und das Yukon-Team steht den Teilnehmern zur Seite, um diese zu vermeiden.

Aufgrund der extremen Bedingungen, die vor dem Rennen herrschen, nehmen alle, die keine Erfahrung mit extrem kalten Temperaturen haben, an einem 4-tägigen Trainingskurs teil. Dabei werden alle wesentlichen Fertigkeiten erlernt, von der Herstellung eines Holzfeuers und der Handhabung eines Kochers unter kalten Bedingungen bis hin zu grundlegenden Reparaturen der Ausrüstung. Die Teilnehmer werden auch darüber unterrichtet, wie sie ihren Schlitten packen und organisieren müssen, damit sie ihre wichtigsten Gegenstände leicht erreichen können. Letztendlich müssen die Teilnehmer darauf vorbereitet sein, im Freien zu überleben. Ein Schlafsystem ist unerlässlich. Dazu gehören in der Regel: ein Expeditionsschlafsack (im Wesentlichen der wärmste Schlafsack auf dem Markt), einschließlich einer Winterexpeditionsmatte und entweder ein Biwaksack oder ein Zelt.

Im Laufe der Jahre sind Teilnehmer aus der ganzen Welt in den Yukon gekommen, vor allem aber aus Großbritannien und Kanada. Es gibt so viele inspirierende Geschichten. Besonders hervorzuheben ist Enrico Ghidoni, der als erster Athlet die 430 Meilen in allen drei Disziplinen (zu Fuß, mit dem Fahrrad und auf Skiern) absolvierte. In einem Jahr beschloss ein Einheimscher des Yukon, den 100-Meilen-Lauf in Angriff zu nehmen, obwohl er so etwas noch nie zuvor gemacht hatte. Er schaffte ihn in einer Rekordzeit, die bis heute nicht übertroffen wurde.

"Das sind Menschen, die keine Angst vor der Kälte haben und bereit sind, zu leiden, weil sie wissen, dass sie dadurch stärker werden! Der Grund dafür, dass mehr Menschen an warmen Wüstenrennen teilnehmen ist, dass die Kälte so viele Herausforderungen mit sich bringt, die viele Menschen abschreckt."