Gedanken und Reflexionen zum diesjährigen Rennen von Renndirektor Robert Pollhammer.

Nach dem Rennen werde ich oft gefragt, ob ich mit dem Verlauf zufrieden bin. Da ich weiß, dass alle in Sicherheit sind, lautet die Antwort „Ja, ich bin zufrieden“. Ich denke jedoch auch immer an die Athleten, die ihre jeweiligen Ziellinien nicht erreichen konnten. Allen, die dieses Mal kein Glück hatten, möchte ich sagen, dass es toll war, euch bei uns zu haben. Was auch immer die Gründe waren, warum ihr nicht weitermachen konntet, ich hoffe, ihr erholt euch gut und das MYAU-Team kann euch bei einer der nächsten Ausgaben wieder begrüßen!
Steve Page aus St. Albert, Kanada, schaffte es nicht einmal bis zur Startlinie. Er hatte geplant, nach Whitehorse zu fahren. Nach 20 Stunden Fahrt bedeutete eine Straßensperrung aufgrund einer Lawine, dass er nicht rechtzeitig ankommen konnte. Zu allem Überfluss hatte er dann noch einen schweren Unfall, und den Bildern seines Pickups nach zu urteilen, kann er von Glück sagen, dass er unverletzt davongekommen ist. Hoffentlich ist er nächstes Jahr dabei!
Tag 1
Das Wetter im Vorfeld des MYAU war sehr wechselhaft. Nach einer Kälteperiode wurde es wieder wärmer, und pünktlich zum 3. Februar kühlte es sich deutlich ab. Extreme Temperaturen am ersten Tag führen fast immer dazu, dass viele Athleten nach dem zweiten Tag nicht mehr weiterkommen können.
Aber eins nach dem anderen. Bis auf einen konnten alle Marathonläufer das Ziel erreichen. Wie ich bereits in einem Nachrichten-Update erwähnt hatte, sind drei Athleten gegen Ende aufgrund eines Missverständnisses unter den Teammitgliedern tatsächlich in die falsche Richtung gelaufen. Sie haben es alle dennoch ins Ziel geschafft und die verlorene Zeit wurde ihnen gutgeschrieben. Nochmals meine Entschuldigung für diesen Fehler.
In Anbetracht der Kälte haben die Marathonläufer wirklich gut abgeschnitten! Ich habe viele überglückliche Finisher bei
Muktuk Adventures gesehen. Es war mir eine große Freude, euch bei uns zu haben. Ich werde in Kürze die Spende bekannt geben, die wir an
Little footprints. Big steps übergeben – wir spenden 1 CAD pro Kilometer, den unsere Marathonläufer zurückgelegt haben, an diese großartige Wohltätigkeitsorganisation.
Tag 2
Einige Ultra-Athleten mussten an CP1 aufhören. Alle anderen machten sich auf den Weg zum Dog Grave Lake. Auf dem Weg zu diesem Checkpoint stationierten wir ein Wohnmobil mit den medizinischen Teammitgliedern Trish und Sarah. Es war ein „Ausstiegspunkt“ für diejenigen, die in einem Bereich, der als Kältekammer bekannt ist, in Schwierigkeiten gerieten. Zwei Athleten nutzten diese Gelegenheit, um sich in Sicherheit zu bringen. Zwei weitere blieben für alle Fälle in der Nähe des Wohnmobils und entschieden sich am nächsten Morgen, das Rennen zu beenden.
Das Team am Dog Grave Lake hat in diesem abgelegenen Gebiet des Trails großartige Arbeit geleistet. Es war viel los und leider mussten weitere Athleten an oder in der Nähe dieses Checkpoints aufgeben. Hier hatten wir auch unseren schlimmsten Fall von Erfrierungen. Der betroffene Athlet war Tiberiu Useriu aus Rumänien. Tiberiu ist wohlauf, aber die Verletzung war so schwerwiegend, dass ein Transport per Hubschrauber und eine anschließende Behandlung im Krankenhaus erforderlich waren. Er ist nun schon seit einiger Zeit wieder zu Hause, und ich habe seit seiner Abreise nicht mehr mit ihm gemailt. Meinem Verständnis nach unterlief ihm der einfache Fehler, nicht anzuhalten und sich um seine Füße zu kümmern, als er es hätte tun sollen. Da Tiberiu ein sehr erfahrener Kälteläufer ist (er hat das 6.633 dreimal in Folge gewonnen), muss eine der Lehren daraus sein, dass niemand der Kälte entkommen kann. Nicht nur beim MYAU sind es oft die erfahrenen Athleten, die in Schwierigkeiten geraten. Ich rate daher allen zukünftigen Teilnehmern dringend, sehr vorsichtig zu sein, egal wie viel Erfahrung sie mit an die Startlinie bringen. Ich wünsche Tiberiu die bestmögliche Genesung und viel Erfolg bei seinem Projekt, der
Via Transilvanica, für das er sich mit so viel Leidenschaft einsetzt!
Tag 3
Wir wurden auch daran erinnert, wie wichtig der mentale Aspekt beim MYAU ist. Russ Reinbolt (USA) sprach darüber in einem sehr interessanten Interview, das er und Pat mit der CBC führten. Ich wage zu behaupten, dass alle MYAU-Teilnehmer körperlich super vorbereitet sind. Oft ist es die mentale Herausforderung, die zum Problem wird – so ruhig wie möglich zu bleiben und sich ständig daran zu erinnern, jede Kleinigkeit zu überwachen. Ganz zu schweigen von all den Schwierigkeiten, die unterwegs auftreten und nicht nur körperliche Stärke, sondern auch unglaubliche Willenskraft erfordern.
Genau wie der Marathon scheint das 100-Meilen-Rennen immer wie im Flug zu vergehen. Der Sieger, David Brabec (Kanada), erreichte das Ziel nach 23:42 Stunden. Die Montane-Athleten Pablo Criado Toca (Spanien) und Brady Kyle (Kanada) belegten die Plätze 2 und 3. Von den 11 Startern in Whitehorse schafften es 6 bis zur Braeburn Lodge.
Verglichen mit den 40 Athleten auf der 430-Meilen-Strecke hatten wir die relativ kleine Anzahl von 6 Teilnehmern im 300-Meilen-Rennen. Alle sahen sich mit einem extrem anspruchsvollen Weg zwischen Braeburn und Carmacks konfrontiert. Das Hauptproblem war der Schneemangel. Daher mussten die Teilnehmer ihre Pulkas über Wurzeln und alle möglichen anderen Hindernisse ziehen. Die meisten Athleten, die zu diesem Zeitpunkt noch im Rennen waren, schafften den Cut-off in Carmacks, der bei 4 Tagen und 12 Stunden liegt. Aber wir hatten weitere Leute, die an oder vor Carmacks aufgeben mussten.
Tag 4
Der nächste Teil des Weges war einfacher. Dennoch war McCabe Creek für einige Teilnehmer das Ende ihrer Reise. Darunter Shelley Gellatly (Kanada) aufgrund von erfrorenen Fingerspitzen und Micheal Faergegaard (Schweden) wegen Knieproblemen.
Zu diesem Zeitpunkt waren noch 3 Athleten im 300-Meilen-Rennen. In Führung lag Marianne Heading (UK), gefolgt von Gareth Hardcastle (UK) und Ahmad Fathi Junaidi (Brunei Darussalam). Und dies ist auch die Reihenfolge, in der sie die Ziellinie überquerten.
Zu diesem Zeitpunkt war das 430-Meilen-Rennen auf 14 Athleten geschrumpft. Dann musste Enrico Ghidoni (Italien) in Pelly Farm dem Schmerz seiner Achillessehnen nachgeben. Der Italiener hatte in den Vorjahren das fast Unmögliche vollbracht, nämlich das 430-Meilen-Rennen in allen drei Disziplinen zu absolvieren, und er hat jedes Mal gewonnen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das niemand sonst jemals wieder schaffen wird. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Enrico eine MYAU-Legende ist. Es war sein letzter Ultra dieser Art. Er sagte, er sei nun bereit, in „Rente“ zu gehen. Er wird jedoch im Sommer zurückkommen, um den Yukon wieder zu besuchen. Wie er bei seinem Abschied sagte: „Freunde für immer!“
Montane-Athlet Javed Bhatti an Tag 5
Nicht lange nach Enrico musste Pat Cooke-Rogers (UK) auf ihrem Weg zum Scroggie Creek aufgeben. Sowohl 2017 als auch 2015 hatte sie Dawson mit ihrem Fatbike erreicht. Diesmal sollte es einfach nicht sein, da sie Probleme hatte, ihre Füße warm zu halten.
Die verbleibenden 12 Athleten schafften es bis Dawson. Scott Donatelli (Kanada) musste sich ab Carmacks wirklich pushen, um weiterzumachen. Jedes Mal, wenn er einen Checkpoint verließ, sagte er dem Team, dass er am nächsten Checkpoint aufhören würde. Ich bin froh, dass er die Kraft fand, weiterhin an sich zu glauben, denn am Ende brachte es ihm eine Finisher-Medaille ein.
Auch für Jessie Thomson-Gladish (Kanada) war es extrem hart. Nachdem sie das Dawson-Rennen zweimal zu Fuß beendet hatte, hatte sie sich diesmal für Langlaufski entschieden. Eine Disziplin, die ich nicht empfehle, aber ich schätze, auf eine gewisse Weise ist das dann auch eine zusätzliche Herausforderung. Und sie schaffte es auf ihren „Elendsbrettern“ nach Dawson, obwohl sie oft daran gezweifelt hatte.
Gillian Smith (Kanada) war ebenfalls unter den Finishern. Es war ihr zweiter Versuch, und obwohl sie unter Schienbeinkantensyndrom und einem schmerzenden Handgelenk litt, schaffte sie es und wurde von Familie, Freunden und dem Team begrüßt!
Wie Gillian war auch Scott Thomson (Australien) da, um eine offene Rechnung zu begleichen, und es war großartig zu sehen, dass er Erfolg hatte.
Tag 6
Angus Currie (UK) und Alexander Allen (UK) kamen als Team ins Ziel. Nur ein anderes Team hatte das vor ihnen jemals geschafft. Das Tolle an diesen Jungs war ihre unglaublich gute Laune. Egal, was das MYAU ihnen entgegenwarf, sie lächelten, lachten und genossen es immer. Zumindest wenn wir sie sahen... Das Gleiche gilt für Javed Bhatti (UK) und Joaquin Candel (USA). Immer super freundlich und in einem stetigen Tempo ohne größere Probleme.
Mit Magdalena Paschke (Deutschland) hatten wir eine weitere Athletin, die es zum zweiten Mal versuchte. 2017 musste sie sehr früh aufhören. Dieses Jahr war sie bärenstark. Ich weiß nicht, wie sie es tatsächlich geschafft hat, ihren schweren Schlitten den ganzen Weg zu ziehen. Sie ist so ein Leichtgewicht, aber es gab kein Halten mehr, und an der Ziellinie hatte sie noch genug Energie für einen Freudentanz mit der Medaille in der Hand. Damit sind sie und Uwe (ihr Mann, der 2017 die 430 Meilen absolvierte) das einzige Ehepaar, bei dem beide eine 430-Meilen-Finisher-Medaille an der Wand hängen haben.
MYAU-Veteranin Laura Trentani (Italien) war ebenfalls unglaublich stark und belegte den 3. Platz in der Gesamtwertung und den 1. Platz in der Frauenkategorie.
Als Erster kam Thierry Corbarieu (Frankreich) in Dawson an, einer jener wenigen Athleten weltweit, die mit sehr wenig Schlaf schnell laufen können, ohne in Schwierigkeiten zu geraten. Am Ende war er natürlich auch müde. Aber nur einen Tag nach seinem Zieleinlauf lief er bereits umher, als wäre er gerade erst im Yukon angekommen.
Tag 7
Nicht weit hinter Thierry kam Christof Teuscher aus den USA. Wie Thierry konnte er ein gutes Tempo bei relativ wenig Ruhe beibehalten.
Herzlichen Glückwunsch an euch alle! Und nochmals vielen Dank an alle Athleten fürs Kommen!
Für die detaillierten Ergebnisse seht euch bitte die
Ergebnistabelle an.
Ein großes Dankeschön geht an alle Crewmitglieder und Freiwilligen, die wieder einmal dazu beigetragen haben, das MYAU zu einem so besonderen Ereignis zu machen. Danke Diane, Julie, Anja, Bernhard, Fritz, Tamara, Sarah, Trish, Eleanor, Ellie, Rachel, Kate, Callum, Daniel, Gary R. und Gary V., Jeff & Jeff, Glenn, Spencer, Tony, Josh, Jean-Marc, Ross, Robert S., Mayra, Pam, Stewart und Jo.
Danke Yann und Thilo für eure großartigen Filme und danke Joe und Mark für eure unglaublichen Fotos.
Danke auch an unsere HQ- und Checkpoint-Gastgeber Don von der Scuttlebutt Lodge, Muktuk Adventures, Braeburn Lodge, Bernard und seine Firma Yukon Wilderness Fishing (Ken Lake), Carmacks Community Center, Jerry und Kathy Kruse (McCabe Creek), Selkirk First Nations (Pelly Crossing), Sue, Dale, Fabian und Woofers von Pelly Farm!
Danke Yukon Quest und Canadian Rangers!
Ein großes Dankeschön an unseren Titelsponsor
Montane für die anhaltende Unterstützung! Und danke an unsere neuen Hauptsponsoren
Allied Feather & Down und
Pertex.
Nicht zuletzt danke an Primus und unsere lokalen Unterstützer Tourism Yukon, Coast High Country Inn, Downtown Hotel, Driving Force, Total North, Yukon Yamaha, Fraserway RV, Coast Mountain Sports und Atlin Mountain Coffee Roasters!
Ich erhalte bereits viele E-Mails bezüglich 2020. Bitte gebt mir etwa 2 Wochen Zeit. Dann sollte ich alles fertig haben.